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Die Allmachtsphantasien der kleinen Jungs

Warum die mächtigsten Männer der Welt sich wie Kinder benehmen — und warum das gefährlich ist
gu18.eu — Februar 2026

I. Der Sandkasten

Es gibt ein Alter, in dem Jungen Dinge benennen und glauben, sie dadurch zu besitzen. Sie bauen eine Sandburg und erklären: „Das ist mein Schloss." Sie zeichnen eine Linie in den Sand und sagen: „Alles hier drüben gehört mir." Wenn ein anderes Kind kommt, rufen sie: „Das ist meins!" — nicht weil sie es gebaut oder verdient hätten, sondern weil sie es gesagt haben. Das Sagen ist der Besitz.

Die meisten Kinder wachsen aus dieser Phase heraus. Manche werden Präsidenten.

Am 20. Januar 2025 stand Donald Trump auf den Stufen des Kapitols und verkündete: Der Golf von Mexiko heißt ab sofort Golf von Amerika. Der höchste Berg Nordamerikas, von den Athabasken seit zehntausend Jahren Denali genannt, heißt wieder Mount McKinley. Im Dezember 2025 ließ er seinen Namen an das Kennedy Center schreiben — „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts". Im September hatte er das Verteidigungsministerium in „Kriegsministerium" umbenannt — einen Namen, den Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst abgelegt hatte. Das Friedensinstitut trägt jetzt seinen Namen. Auf dem Weißen-Haus-Account erschien sein Bild mit einer Krone und den Worten: „LONG LIVE THE KING!"

Maria Shriver, Nichte John F. Kennedys, schrieb: „Es übersteigt jede Vorstellungskraft, dass ein amtierender Präsident es für akzeptabel hält, seinen Namen vor den eines ermordeten Präsidenten zu setzen." Die Kennedy-Familie nannte es eine Beleidigung. Die Presse nannte es Narzissmus. Alaska — Alaska! — stimmte einstimmig gegen die Umbenennung von Denali, beide republikanischen Senatoren eingeschlossen.

Aber all das verfehlt den Punkt. Es ist kein Narzissmus im klinischen Sinne — obwohl es das auch ist. Es ist etwas Grundlegenderes. Es ist das Verhalten eines Kindes, das die Welt besitzt, indem es sie benennt. Adam im Paradies. Der Sechsjährige im Sandkasten. Der Allmachtstraum eines kleinen Jungen, der nie lernen musste, dass die Welt anderen gehört.

II. Die Sammlung

Trump ist nicht allein. Er ist nur der lauteste.

Wladimir Putin ließ sich einen Palast am Schwarzen Meer bauen, den Nawalnys Team 2021 in einem Video enthüllte: 17.691 Quadratmeter, eine „Dreckskammer" mit Stripperinnenstange, ein Theater, ein Kasino, eine Eishockey-Anlage. Als die Enthüllung kam, erklärte Putin, der Palast gehöre ihm nicht. Das stimmt sogar: Er gehört dem russischen Staat, der Putin gehört. Ein kleiner Junge würde sagen: „Alles hier ist meins." Putin sagt: „Nichts hier ist meins — aber alles gehorcht mir." Das ist dieselbe Phantasie, nur erwachsener formuliert.

Am 20. Juni 2025 sagte Putin auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum: „Das russische und das ukrainische Volk sind ein Volk. In diesem Sinne gehört die gesamte Ukraine uns." Und dann: „Wo der Fuß des russischen Soldaten hintritt, das ist unser." Das Publikum applaudierte. Es ist der Sechsjährige mit dem Fuß auf der Sandburg des Nachbarn: „Ich stehe drauf, also gehört es mir."

Xi Jinping ließ die Amtszeitbegrenzung aufheben und sich 2018 zum Herrscher auf Lebenszeit erklären. Sein „Xi-Jinping-Gedankengut" ist verpflichtender Unterrichtsstoff an chinesischen Universitäten. Sein Gesicht hängt in jedem Dorf. Sein Name steht in der Verfassung. Mao ist tot, aber die Struktur lebt: Ein Mann, ein Gedanke, ein Land. Der kleine Junge, der „Alle müssen tun, was ich sage" ruft — und eine Milliarde Menschen haben keine andere Wahl.

Recep Tayyip Erdoğan baute sich den größten Präsidentenpalast der Welt — 1.150 Räume, dreißigmal so groß wie das Weiße Haus, auf einem Naturschutzgebiet in Ankara errichtet, gegen richterliche Verbote. Als ein sechzehnjähriger Schüler ihn 2015 in einer Rede beleidigt haben soll, wurde der Junge verhaftet. Der Präsident persönlich bestand auf Strafverfolgung. Der Erwachsene, der ein Kind bestraft, weil es seine Autorität in Frage stellt — und nicht bemerkt, dass er sich dabei selbst als Kind entlarvt.

Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, ließ sich eine Yacht für 600 Millionen Dollar bauen, kaufte ein Leonardo-da-Vinci-Gemälde für 450 Millionen und plant eine linienförmige Spiegelstadt in der Wüste namens NEOM — 170 Kilometer lang, 500 Meter hoch, neun Billionen Dollar teuer. Als der Journalist Jamal Khashoggi ihn kritisierte, wurde Khashoggi in einem Konsulat zerstückelt. Der kleine Junge, der eine unmögliche Festung baut und den bestraft, der sagt: „Das funktioniert nicht."

Elon Musk — kein Staatschef, aber mit mehr Macht als die meisten — kaufte Twitter für 44 Milliarden Dollar, benannte es in X um, feuerte achtzig Prozent der Mitarbeiter, ließ sich zum „Chief Twit" ernennen, dann zum De-facto-Leiter einer Bundesbehörde (DOGE), dann veröffentlichte er die Telefonliste von Kabinettsmitgliedern, die gegen ihn gestimmt hatten. Als er nach wenigen Monaten mit Trump brach, beschimpfte er den Präsidenten öffentlich, wurde beschimpft und finanzierte ihn trotzdem weiter. Zwei Sechsjährige, die sich streiten und am nächsten Tag wieder zusammen spielen — nur dass sie dabei das Regierungssystem der Vereinigten Staaten zerlegen.

III. Die Psychologie

Die Entwicklungspsychologie kennt den Begriff der Allmachtsphantasie als normale Phase der frühkindlichen Entwicklung. Das Kind glaubt, die Welt gehorche seinen Wünschen. Es schreit, und die Mutter kommt. Es zeigt auf etwas, und es wird gebracht. Die Grenze zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist noch nicht gezogen.

Gesunde Entwicklung bedeutet: Diese Grenze zu lernen. Zu erfahren, dass andere Menschen eigene Wünsche haben. Dass die Welt nicht gehorcht. Dass „meins" eine Behauptung ist, die begründet werden muss. Dass man nicht alles haben kann. Dass Nein ein Wort ist, das andere sagen dürfen.

Was geschieht, wenn jemand diese Grenze nie lernt — und stattdessen Milliarden, Armeen und Nuklearwaffen bekommt?

Er benennt Dinge um und hält sie dadurch für sein Eigentum. Er baut sich Paläste, weil die äußere Größe die innere Leere füllen soll. Er umgibt sich mit Ja-Sagern, weil Widerspruch die Illusion der Allmacht zerstört. Er bestraft Kritiker — nicht aus strategischer Berechnung, sondern aus dem Gefühl der Kränkung, das ein Kind empfindet, wenn jemand sein Spielzeug wegnimmt. Er verwechselt die Welt mit seinem Eigentum und Menschen mit seinen Untertanen.

Der Psychologe Geoff Beattie beschreibt Trump und Musk als „zwei massive narzisstische Egos in kristalliner Gegenüberstellung" — und zitiert den Schriftsteller Norman Mailer über Picasso und seine Geliebte: „Narzissten verbinden sich nicht, sie nähern sich einander wie Kristalle. Es ist nicht Liebe, es ist Feinjustierung." Die Metapher trifft: keine menschliche Beziehung, sondern das Aufeinandertreffen zweier Kraftfelder, die sich gegenseitig verstärken, bis sie explodieren.

Aber es ist nicht nur Narzissmus. Der klinische Begriff beschreibt eine Persönlichkeitsstörung — und das mag auf diese Männer zutreffen oder nicht. Was hier beschrieben wird, ist etwas Politischeres: Die Allmachtsphantasie als Regierungsform. Nicht die Psychologie eines Einzelnen, sondern ein System, das solche Einzelne an die Macht bringt und dort hält.

IV. Das Muster

Die Gemeinsamkeiten sind frappierend — nicht weil diese Männer sich abgesprochen hätten, sondern weil die Psychologie der ungehemmten Macht überall dieselben Symptome produziert.

Benennen. Sie alle benennen die Welt um. Trump benennt Gewässer, Berge, Gebäude. Putin benennt Völker um: Ukrainer werden zu Russen, Nachbarländer zu historischem russischen Territorium. Xi benennt Geschichte um: Die Kulturrevolution wird zum Betriebsunfall, Tibet zur chinesischen Provinz „seit alten Zeiten". Erdoğan benennt die türkische Republik um: Von Atatürks Laizismus zu Erdoğans Neo-Osmanismus. MBS benennt Saudi-Arabien um: Von der Ölmonarchie zur „Vision 2030". Wer benennt, besitzt. Adam im Paradies.

Bauen. Sie alle bauen. Putins Palast. Erdoğans 1.150-Zimmer-Residenz. MBS' NEOM. Trumps Mauer, sein Ballsaal im Weißen Haus, seine goldenen Aufzüge. Xi baut Inseln im Südchinesischen Meer — buchstäblich Land aus dem Nichts, um es dann als sein eigenes zu beanspruchen. Das Kind, das eine Sandburg baut und sagt: „Das ist mein Königreich." Der Unterschied: Die Sandburg kostet Milliarden und wird von Zwangsarbeitern errichtet.

Bestrafen. Sie alle bestrafen Widerspruch. Putin vergiftet Oppositionelle. MBS lässt Journalisten zerstückeln. Erdoğan sperrt Zehntausende ein. Xi lässt Millionäre verschwinden, die zu sichtbar werden. Trump entlässt jeden, der ihm widerspricht, klagt Gegner an und drohte Grönland mit Militärgewalt, weil 57.000 Inuit sagten: „Nein, danke." Das Kind, das auf den Tisch haut, wenn es seinen Willen nicht bekommt. Nur dass der Tisch ein Land ist und das Auf-den-Tisch-Hauen echte Menschen trifft.

Unfehlbarkeit beanspruchen. Keiner von ihnen hat jemals einen Fehler zugegeben. Trump: „Ich übernehme keinerlei Verantwortung." Putin: „Alles läuft nach Plan." Xi: Die Null-Covid-Politik war ein Triumph, die Millionen Toten eine westliche Lüge. MBS: Khashoggi war ein Einzelfall, hat nichts mit ihm zu tun. Erdoğan: Die Wirtschaftskrise ist das Werk ausländischer Verschwörer. Das Kind, das den Teller fallen lässt und sagt: „Der Teller ist selbst runtergefallen." Nur dass die Teller Volkswirtschaften und Menschenleben sind.

V. Die Ermöglicher

Kein kleiner Junge wird zum Allmachtsphantasten, wenn ihm jemand rechtzeitig „Nein" sagt. Das Problem ist nicht, dass es solche Menschen gibt. Das Problem ist, dass niemand „Nein" sagt — oder dass diejenigen, die es sagen, eliminiert werden.

In Russland gibt es kein Parlament, das Putin widerspricht. In China gibt es keine Presse, die Xi hinterfragt. In Saudi-Arabien gibt es keine Opposition, die MBS herausfordert. In der Türkei sind die Richter, die Erdoğan hätten stoppen können, längst entlassen oder verhaftet.

Aber auch in den Demokratien versagen die Mechanismen. In den Vereinigten Staaten hat der Kongress Trump nicht gestoppt — weder bei der Umbenennung des Kennedy Centers (die per Gesetz eigentlich nur der Kongress beschließen kann) noch bei der Drohung gegen Grönland noch bei der Selbsternennung zum „Übergangspräsidenten von Venezuela". Die Republikanische Partei hat sich in eine Ermöglichungsmaschine verwandelt. Wie ein Psychologe es formulierte: Das System um den Narzissten herum wird zu einem Kreis von Ja-Sagern, die seine Realitätsverzerrung verstärken, weil sie von seiner Gunst abhängen.

Elon Musk zeigte kurzzeitig, was passiert, wenn ein Narzisst einem anderen „Nein" sagt: Es eskaliert sofort. Musk nannte Trumps Gesetzespaket eine „monströse Abscheulichkeit", Trump nannte Musk undankbar, beide beschimpften sich öffentlich — und fanden dann wieder zusammen, weil sie einander brauchten: Trump brauchte Musks Geld, Musk brauchte Trumps Regierungsaufträge. Die Kristalle in Gegenüberstellung: keine Liebe, aber Feinjustierung.

Die Ermöglicher sind nicht nur Politiker und Höflinge. Es sind auch wir — die Wähler, die Zuschauer, die Konsumenten der Spektakel. Denn die Allmachtsphantasie hat eine verführerische Seite: Sie verspricht Ordnung. Der starke Mann, der sagt: „Ich allein kann das richten" — das ist das Versprechen des Vaters an das verängstigte Kind. Und in Zeiten der Unsicherheit, der wirtschaftlichen Angst, der kulturellen Verunsicherung greifen erstaunlich viele Menschen nach diesem Versprechen, obwohl sie wissen müssten, dass der Vater selbst das Kind ist.

VI. Die Kosten

Allmachtsphantasien sind nicht nur lächerlich. Sie sind tödlich.

Putins Phantasie, dass die Ukraine „uns gehört", hat zu einem Krieg geführt, der hunderttausende Menschenleben gekostet hat. Xis Phantasie der Null-Covid-Politik und der Unfehlbarkeit kostete Millionen. MBS' Phantasie der militärischen Stärke führte in den Jemen-Krieg, eine der schlimmsten humanitären Katastrophen des 21. Jahrhunderts. Erdoğans Phantasie der wirtschaftlichen Kontrolle — er besteht darauf, dass niedrige Zinsen die Inflation senken, das Gegenteil jeder ökonomischen Erkenntnis — hat die türkische Mittelschicht verarmt.

Trumps Phantasien — Grönland, Venezuela, der „Panamakanal gehört uns" — haben bisher vor allem diplomatischen Schaden angerichtet. Aber die Eskalationslogik ist dieselbe. Wer im Januar 2025 Gewässer umbenennt, bedroht im Januar 2026 Verbündete mit Zöllen und Militärgewalt. Wer sich im Dezember 2025 an das Kennedy Center schreibt, hat im selben Monat Venezuela den Krieg erklärt und seinen Präsidenten entführen lassen. Die Allmachtsphantasie kennt keine Obergrenze. Der Sechsjährige wird nicht von allein aufhören.

Die Forschung bestätigt es: Personalisierte Regime, in denen ein Einzelner alle Macht konzentriert, produzieren die schlimmsten außenpolitischen Fehlentscheidungen. Hitler griff die Sowjetunion an, weil ihn niemand aufhalten konnte. Mao startete den Großen Sprung nach vorn, weil ihn niemand widerlegte. Saddam Hussein marschierte in Kuwait ein, weil seine Generäle ihm nicht widersprachen. Die Allmachtsphantasie ist nicht nur ein psychologisches Phänomen — sie ist ein Sicherheitsrisiko für die gesamte Welt.

VII. Das Gegengift

Das Gegengift gegen die Allmachtsphantasie ist dasselbe wie in der Kindererziehung: Grenzen. Institutionen. Regeln, die auch für den gelten, der sich für den Mächtigsten hält.

In der Psychologie heißt es: Der Narzisst ist nicht heilbar, aber eindämmbar — durch konsequente Grenzsetzung, durch das Verweigern der narzisstischen Zufuhr, durch das Benennen der Realität. Politisch übersetzt: Gewaltenteilung, die funktioniert. Verfassungen, die nicht von einem Einzelnen geändert werden können. Medien, die sich nicht einschüchtern lassen. Parlamente, die „Nein" sagen — auch auf Kosten der eigenen Karriere.

Grönland hat es vorgemacht. 57.000 Menschen haben einem Mann, der sich für den mächtigsten der Welt hält, gesagt: „Nein. Wir gehören nicht dir." Ihre Demonstranten trugen Schilder: „No means no." Das ist die Sprache, die jedes Kind lernt — und die manche Erwachsene vergessen haben.

Die Associated Press hat es vorgemacht: Sie weigerte sich, den Golf von Mexiko umzubenennen, und wurde dafür aus dem Weißen Haus verbannt. Sie klagte — und gewann. Es ist ein kleiner Sieg, aber er zeigt: Das Nein ist möglich. Die Realität lässt sich nicht dauerhaft umbenennen.

Alaska hat es vorgemacht: Der gesamte Senat des Bundesstaates stimmte einstimmig dafür, den Berg Denali zu nennen — gegen den eigenen Präsidenten, gegen die eigene Partei. Weil ein zehntausend Jahre alter Name mehr wiegt als die Laune eines Mannes.

Aber diese Gegenwehr bleibt vereinzelt, solange die Systeme nicht stärker sind als die Personen. Das ist die Lehre der Akratie: Nicht der richtige Herrscher ist das Ziel, sondern ein System, das keinen Herrscher braucht. Nicht die Hoffnung, dass der nächste Starke weniger kindisch sein wird — sondern Strukturen, die verhindern, dass ein Einzelner Gewässer umbenennt, Journalisten zerstückeln lässt, Nachbarländer annektiert und es „Selbstbestimmung" nennt.

VIII. Erwachsen werden

Am Ende ist es eine einfache Frage: Wollen wir von Kindern regiert werden?

Nicht von dummen Kindern — manche dieser Männer sind hochintelligent. Nicht von schwachen Kindern — sie kontrollieren Armeen und Volkswirtschaften. Sondern von emotional unreifen Menschen, die nie gelernt haben, was jedes Kind in der Grundschule lernen soll: Dass die Welt nicht dir gehört. Dass andere Menschen Rechte haben, die du nicht aufheben kannst. Dass dein Name nicht auf alles geschrieben werden muss. Dass „Nein" ein gültiges Wort ist. Dass Größe sich nicht in Quadratmetern misst.

Die Entwicklungspsychologie sagt: Die Allmachtsphantasie wird überwunden, wenn das Kind lernt, dass Liebe und Anerkennung nicht davon abhängen, alles zu kontrollieren. Wenn es erfährt, dass es auch ohne Allmacht sicher ist. Wenn es entdeckt, dass die Welt interessanter wird, wenn andere Menschen darin Platz haben.

Vielleicht ist das die tiefste politische Frage unserer Zeit: nicht welches System, welche Partei, welche Ideologie — sondern ob wir bereit sind, erwachsen regiert zu werden. Von Menschen, die wissen, dass sie fehlbar sind. Die den Golf von Mexiko Golf von Mexiko nennen, weil er so heißt. Die einen Berg Denali nennen, weil die Menschen, die dort seit zehntausend Jahren leben, ihn so nennen. Die ein Friedensinstitut nicht nach sich selbst benennen, weil sie verstanden haben, dass Frieden kein Besitztum ist.

Der kleine Junge im Sandkasten sagt: „Alles gehört mir." Der erwachsene Mensch sagt: „Ich gehöre hierhin — zusammen mit anderen." Die Frage, die unsere Zeit definiert, ist: Wem haben wir die Schlüssel gegeben?
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Dieser Essay erscheint als Teil der Sammlung Die Deutsche Blume — vormals die Blaue auf gu18.eu. Er verbindet die psychologische Analyse der Strongman-Ära mit dem Konzept der Akratie — Regieren ohne Herrschaft — und fragt: Was geschieht, wenn Systeme nicht verhindern können, dass die Mächtigsten die Unreifsten sind?

Hans Ley
Nürnberg, Februar 2026